Ein Erfahrungsbericht von Flora Ines Karger

Der Munich StartUp Accelerator fand vom 31.08.2012 – 16.09.2012 statt. Unser „Spielfeld“, die Creative Hall im SCE (Strascheg Center for Enterpreneurship) ist jeden Tag von 08:00 Uhr bis 24:00 Uhr geöffnet.
Es ist der 31. August 2012, der Freitag, an dem der Munich StartUp Accelerator startet. Als Designerin bin ich erstmal keine typische Gründerin. Es geht mir zunächst nicht darum, eine eigene Idee zu realisieren, ich bin an den Kreativ-Strategien und am Prozess der nächsten 16 Tage interessiert.

Angekommen im SCE in der Heßstraße werde ich schon herzlich vom Orga-Team willkommen geheißen. Es gibt Drinks zum Kennenlernen und erste interessante Gespräche entstehen. Dann stellen sich Björn, Thomas und Fabian vor und wir starten mit einem etwas modifizierten Mau Mau in sechs Teams zum WarmUp.

Samstag Morgen 9:00. Es geht los. Neun sehr unterschiedliche Ideen werden gepitcht: von Elektromobilität über Produkt-Feedback und Geldanlageberatungeinen hin zu einem online fashion store. Wir wählen im Kollektiv sechs Ideen aus und sind nun aufgefordert uns eigenständig in Teams zu finden. Wir stellen uns gegenseitig als Designer, Hustler, oder Hacker vor und versuchen so herauszufinden, wer zu welcher Idee, bzw. zu welchem Team passt. Ich folge meinem Instinkt und entscheide mich sehr schnell für das bereits bestehende Team Munich300, mit der Idee eine Infrastruktur von Ladestationen für Elektromobilität in München aufzubauen. Wir sind nun Alex (Hustler), Michael (Hustler), Moritz (Hacker), Jan (Designer), Johanna (Hustler) und Ich (Designer).

VERSTEHEN

Das Stammteam (Alex, Michael und Moritz) stellt uns Neuen in der ersten Teamsitzung Einzelheiten zur Idee vor, wir sammeln erste zentrale Fragen und stellen bereits alle Stakeholder auf, die uns zu diesem Zeitpunkt relevant scheinen. Wir beginnen mit der Online Research und bereiten uns auf die Beobachtungsphase der nächsten Tage vor.

BEOBACHTEN

Zusammen mit Johanna bin ich zwei Tage lang in Münchner Autohäusern, Parkhäuser und an Ladestationen unterwegs, wir interviewen und fotografieren Menschen auf der Straße, sowie einen Mitarbeiter der Münchner Stadtwerke. Wir telefonieren mit Bekannten und Freunden, die uns wichtige Insights liefern können und versuchen mehr über unsere Konkurrenz am Markt und vor allem über unsere Zielgruppe und deren Bedürfnisse herauszufinden. Am Abend kommen wir jeweils zusammen und erzählen uns jeweils von unseren Erlebnissen. Wir gestalten Wände mit Fotos und Post-its und nähern uns Stück für der Stück der Materie Elektromobilität. Leider beschließt Johanna, das Team zu wechseln. Jetzt sind wir nur noch zu fünft.

 

SYNTHESE

In der Synthese-Phase versuchen wir die gewonnenen Insights zu strukturieren, zu clustern und in Bedürfnisse umzubenennen. Wir setzen Schwerpunkte und entwickeln ein erstes Framework. Wir beginnen mit der Ideation, wobei wir zunächst ca. 300 WKW (Wie Können Wir…)-Fragen brainstormen. Jeder ist mit Post-its und Stiften ausgerüstet, einer spielt den Moderator, der die Post-its entgegennimmt und nummeriert, sie an die Wände klebt und bereits versucht, zu strukturieren. Diese Rolle des Moderators ist sehr wichtig, weil er versucht, den anderen so viele Ideen wie möglich zu entlocken. Ideation macht Spass, das haben wir gelernt. Es ist wie ein Spiel. Keine Idee wird bewertet, nichts ist falsch oder richtig, je verrückter die Gedanken, desto interessanter für das Team. Nach 10 Stunden brainstorming ist die Energie raus und am nächsten Morgen (das Wetter ist wunderschön, die Sonne scheint und jeder sehnt sich nach dem Liegestuhl im Park) beschließen wir unseren Arbeitsplatz nach draußen zu verlagern. Das neue Umfeld spornt uns an: und wir filtern aus den 300 entstandenen Fragen sieben raus, die uns besonders relevant scheinen. Zu jeder dieser WKW-Fragen geht das brainstorming dann von Vorne los, wobei das Ziel nun ist ca. 70 Ideen zu einer Frage zu entwickeln. Es ist erstaunlich: wir haben plötzlich an die 500 Ideen an den Stellwänden. Wir entscheiden uns für 20 Ideen, ordnen sie und versuchen sie zu verstehen. Dabei stoßen wir plötzlich auf die Fragestellung: Wer ist eigentlich unser Kunde? Ist es der einzelne Autofahrer oder ist es das Car-Sharing-Unternehmen? Wir diskutieren und sprechen mit den Coaches, aber wir drehen uns im Kreis. Also springen wir noch mal zu unserer Sammlung von Bedürfnissen zurück. Wir entwickeln ein neues Framework und definieren die Flotten-Unternehmen als unseren Kunden. Wir entwickeln neue WKW-Fragen und letztendlich neue 20 Kernideen.

IDEE

Wir fügen unsere Ideen in ein Business Model Canvas, probieren Varianten aus und diskutieren, Team-intern und mit  den Coaches. Wir entscheiden uns für zwei Ideen, stellen diese dann auch noch mal den Coaches vor und entscheiden uns für eine Idee. Wir sind nun nicht mehr Munich300 und sehen uns nicht mehr darin, Infrastruktur aufzubauen, sondern wir entwickeln eine Software, die es mittels GPS-Tracking ermöglichen soll, genau zu evaluieren, welches Fahrzeug für den jeweiligen Betrieb das lukrativste ist.

PROTOTYPING

Was muss die Software können und wie sieht sie aus?
Die Zeit rennt und die Entwicklung des Prototypen muss schnell gehen. Wir kümmern uns parallel um den Revenue-Check und bereiten uns bereits auf den Pitch vor.

TESTEN

Wir gehen zu kleinen Münchener Flottenbetreibern und stellen das MockUp unserer Software vor. Das Feedback ist hilfreich, aber zu spät, um noch vor dem Pitch, was zu verändern.

PITCH

Nachdem wir den Investorenpitch gewonnen haben, war uns klar, dass wir als Team weitermachen wollen. Der Munich StartUp Accelerator hat uns viele Kontakte ermöglicht, wir haben uns als Team gefunden und wir haben gelernt nach Design Thinking Strategien zu arbeiten. Aus Munich300 wurde eVALUE Analytics. Es gibt mittlerweile sogar schon einen web-Auftritt: http://www.evalue-analytics.com/